News

03.03.2015 Das Leben des jüdischen Arztes Dr. Julian Kretschmer - Siehe in:  Vorträge

31.012015 Ausschuss stimmt für neuen Namen: GAT jetzt MWG - Siehe in: Presse 2015

Eine Reise nach Lodz Projekt mit BBS II Emden, www.emden-lodz.de

Stolpersteine auf der Homepage der Stadt Emden
, www.emden.de

                                               

Letzte Änderung
March 26. 2015 15:01:38
Aktuelle Seite: Start

Start


                 


Wir trauern um

Eliahu Blum

29. Juni 1920 - 12. März 2015



Wir erhielten die traurige Nachricht, dass Eliahu Blum, Sohn des letzten Emder Rabbiners Dr. Samuel Blum, am 12. März 2015 in Tel Aviv im Alter von 94 Jahren verstorben ist.
Wieder ist mit Eliahu Blum ein Überlebender des Holocaust und Zeitzeuge von dieser Welt gegangen.
Der Verstorbene war der dritte Sohn des Rabbiners Dr. Samuel Blum und seiner Frau Elfriede, geb. Breslauer. Das Licht der Welt erblickte er in Pleschen, das im damaligen sogenannten Korridor zwischen Pommern und Ostpreußen lag. Im Friedensvertrag von Versailles hatte das Deutsche Reich dieses Gebiet am wieder erstandenen Polen abtreten müssen. Im Alter von 3 Jahren verließ Eliahu Blum mit seinen Eltern Pleschen, weil sein Vater die Rabbinerstelle in Emden bekommen hatte.
Er durchlief die jüdische Schule und wurde zur 5. Klasse von seinen Eltern auf das humanistische Wilhelmsgymnasium geschickt. Als nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 die Verfolgung und Diskriminierung der jüdischen Minderheit begann und ein weiterer Besuch des Wilhelmsgymnasiums nicht mehr möglich war, schickten ihn seine Eltern auf ein jüdisches Realgymnasium in Breslau. Hier legte er 1938 die Abiturprüfung ab. Wie viele junge Juden in Deutschland hatte Eliahu Blum sich entschlossen, nach Palästina auszuwandern. Dabei spielte auch seine vom Vater übernommene zionistische Überzeugung eine Rolle. Eliahu absolvierte ab Frühjahr 1938 die Vorbereitung zur Auswanderung im Hachscharah-Lager Gehringshof bei Fulda. Nach der Pogromnacht wurde er mit anderen Absolventen der Hachscharah am 10. November 1938 ins KZ Buchenwald eingewiesen. Im Dezember 1938 erfolgte die Entlassung aus dem KZ. Ende Dezember 1938 reiste er mit seinen Eltern aus Emden in die Niederlande. Seine Eltern reisten von dort am 8. Januar 1939 nach Palästina, denn seinem Vater war es gelungen, für sich, seine Frau und den Geschwistern Eliahus, Pnina und Michael ein Zertifikat für die Einwanderung in Palästina zu erhalten. Am 16. Mai 1939 konnte Eliahu nach England einreisen, wo er in einer zionistischen Organisation die Vorbereitung für ein Leben in Palästina fortsetzte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Rabbinersohn interniert und durchlief verschiedene Lager bis nach Kanada. Während der Internierungszeit lernte er seine spätere Frau Tamara kennen. 1944 konnte er in Haifa palästinensischen Boden betreten. Bis 1983 lebte er mit seiner Frau und der Familie in einem Kibbuz. Seither lebte er in Tel Aviv.
1982 besuchte er mit einer Gruppe Holocaustüberlebender oder aus Emden vertriebener Juden seine ehemalige Heimatstadt. Eliahu Blum hielt den Kontakt nach Emden mit Marie Werth und Marianne Claudi aufrecht. Eliahu Blum war sehr angetan von den Aktivitäten des Arbeitskreises „Juden in Emden“, aus dem die Max-Windmüller-Gesellschaft hervorging. Er ermunterte, auf dem Weg der Aufarbeitung der Geschichte von 1933 bis 1945 fortzufahren und vor allem die Jugend über den Holocaust aufzuklären.
Die Max Windmüller-Gesellschaft verneigt sich in stiller Trauer vor einem Zeitzeugen und Opfer des Nationalsozialismus, der seiner Heimat verbunden geblieben ist.

Seine Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens - Amen!

EZ 17.03.2015
Vorwort von Eliahu Blum zur Publikation von Gesine Janssen: ... ein leuchtendes Beispiel für Menschenliebe